Warum die Besichtigung nicht reicht
Eine Besichtigung dauert zwanzig Minuten und findet dann statt, wenn es der Verwaltung passt: werktags am Nachmittag oder am Samstagmorgen. Die Strasse ist dann ruhig, die Sonne steht hoch, und die Nachbarn sind bei der Arbeit. Ob die Wohnung nachts laut ist, ob der Balkon im Winter Sonne hat und wie lange der Weg zum Bus wirklich dauert, erfährst du erst nach dem Einzug. Wer mietet, zieht öfter um als wer kauft, und jeder Fehlentscheid kostet erneut Umzug, Kaution und Nerven.
Die gute Nachricht: Das meiste davon lässt sich vorher prüfen, mit einem zweiten Besuch zur richtigen Zeit und mit den amtlichen Daten, die für jede Adresse der Schweiz vorliegen.
Die Checkliste für den zweiten Besuch
- Zur richtigen Zeit hingehen: einmal an einem Werktag um 17 Uhr, wenn der Feierabendverkehr rollt, und einmal am Abend nach 22 Uhr. Auch ohne Termin lässt sich die Strasse vor dem Haus anhören.
- Fenster auf: Bei der Besichtigung ein Fenster zur Strasse und eines zum Hof öffnen. Verglasung und Rollläden dämpfen, im Sommer schläft man aber mit offenem Fenster.
- Umgebung ablaufen: Bahnlinie, Hauptstrasse, Autobahn, Restaurant, Bar, Kirche, Schulhaus, Sportplatz oder Gewerbe in Hörweite? Was am Sonntag still ist, kann unter der Woche laut sein.
- Wege messen: Zu Fuss zur Haltestelle, zum Einkauf und zur Schule gehen und die Minuten stoppen. «Fünf Minuten zum Bahnhof» ist im Inserat meist mit dem Auto gemeint.
- Stockwerk und Ausrichtung: Kompass-App öffnen und die Fassaden von Wohnzimmer und Balkon bestimmen. Was steht davor, wie hoch und wie nah?
- Nach unten schauen: Bei Erdgeschoss oder Keller fragen, ob es je Wasser gab. Tiefgarage und Kellerabteil anschauen, nicht nur die Wohnung.
- Nach vorn schauen: Baugespann in der Nachbarschaft, freie Parzellen, Wiese gegenüber. Ob dort gebaut werden darf, steht in der Bauzone.
- Verwaltung fragen: nach geplanten Sanierungen, nach dem letzten Wasserschaden und nach Bauprojekten in der Nachbarschaft.
Was du nur aus den Daten erfährst
Zwei Besuche geben ein Gefühl, aber keine Zahl. Für die wichtigsten Punkte gibt es amtliche Karten des Bundes und der Kantone, die für jede Adresse vorliegen:
- Lärm: Die Lärmkarten des Bundes (BAFU) zeigen Strassen- und Bahnlärm für Tag und Nacht. Die Lärmschutz-Verordnung nennt dazu einen Grenzwert: In einer Wohnzone sind es 60 dB am Tag und 50 dB in der Nacht. Mehr dazu im Ratgeber zum Lärm.
- Unfälle: Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) führt jeden polizeilich registrierten Unfall mit Personenschaden mit Ort, Datum und Art. So siehst du, ob die Kreuzung vor dem Haus regelmässig kracht.
- ÖV: Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) stuft jeden Ort von A (Bahnhof mit dichtem Takt) bis D nach Haltestellen-Nähe und Fahrplandichte ein.
- Naturgefahren: Die Kantone führen Gefahrenkarten für Hochwasser, Rutschung, Lawine und Sturz. Dazu kommt die Karte des Oberflächenabflusses bei Starkregen, die zeigt, wo das Wasser auf der Strasse und im Garten hinläuft.
- Sonne: Aus dem Gelände, den Gebäuden und den Bäumen der amtlichen 3D-Daten lässt sich für jedes Stockwerk berechnen, wann die Sonne kommt und woher der Schatten fällt.

Das zeigt der Bericht
- Lärm bei Tag und Nacht mit dem Grenzwert der Lärmschutz-Verordnung, Luft mit Stickstoffdioxid und Feinstaub.
- Die zehn nächsten Unfälle mit Personenschaden, ÖV-Güteklasse und die nächsten Haltestellen mit Abfahrten.
- Einkauf, Schule, Arzt, Badi und Autobahnanschluss mit Distanz, dazu Internet und Mobilfunk.
- Naturgefahren und Oberflächenabfluss, Bauzonen, Zeitreise mit historischen Luftbildern.
- Sonnenstunden für dein Stockwerk, an den Stichtagen und übers Jahr, mit Aussicht von den Fassaden.
Kurz beantwortet
Wann sollte ich eine Wohnung besichtigen?
Zweimal: einmal zum offiziellen Termin und einmal ohne Termin zur kritischen Zeit, also werktags im Feierabendverkehr oder spätabends. Lärm, Parkplatzsuche und Nachbarschaft zeigen sich dann, nicht am Samstagmorgen.
Wie finde ich heraus, ob eine Wohnung laut ist?
Fenster öffnen, die Umgebung nach Strasse, Bahn, Gastronomie und Gewerbe absuchen und zusätzlich die Lärmkarte des Bundes für die Adresse anschauen. Sie nennt den Pegel bei Tag und Nacht, der sich mit dem Grenzwert der Lärmschutz-Verordnung vergleichen lässt.
Was kostet der Bericht für eine Mietwohnung?
CHF 49 pro Adresse, einmalig, ohne Abo. Der Link kommt in der Regel innert 24 Stunden per E-Mail und öffnet sich im Browser auf dem Handy. Vorher kannst du auf der Bestellseite prüfen, welche Karten für die Adresse vorliegen.