Die kurze Antwort
Wie viel direkte Sonne eine Wohnung bekommt, hängt von der Ausrichtung ihrer Fenster, dem Stockwerk und den Hindernissen davor ab. Dazu gehören Nachbarhäuser, Bäume und das Gelände. Prüfe deshalb den konkreten Balkon oder die Fassade zu den Tageszeiten, die dir wichtig sind – im Sommer und im Winter. Eine sonnige Besichtigung allein reicht dafür nicht.
Ein helles Zimmer ist übrigens nicht automatisch ein sonniges Zimmer: Tageslicht kommt auch ohne direkte Sonnenstrahlen durch die Fenster. Wie hell es innen wirkt, hängt zusätzlich von Fenstergrösse, Raumtiefe, Verglasung und Oberflächen ab.
Sommer und Winter: die Kirche in Lungern im Vergleich
Am Kirchturm lässt sich der Schattenwurf gut vergleichen. Beide Ansichten zeigen dieselbe Kameraposition am 21. Juni und am 21. Dezember, jeweils um 12:00 Uhr. Die Schattenstärke ist in beiden Bildern auf 75 Prozent eingestellt.


Hier wird sichtbar, warum neben Nachbargebäuden auch die Berge entscheidend sind. Der Vergleich betrifft die Kirche Lungern und ihre Umgebung. Er misst weder die Sonne in einer bestimmten Wohnung noch im ganzen Ort.
Simulation, keine Sommer- und Winterfotos. Das Luftbild bleibt dasselbe und enthält bereits Schatten vom Aufnahmetag. Darüber legt SunPlot die berechnete Verschattung. Schnee, Wolken und saisonale Vegetationsänderungen werden nicht dargestellt. Die Bilder lassen sich durch Antippen vergrössern. Geodaten und Luftbild: © swisstopo; Darstellung: SunPlot.
Zur Uhrzeit: Im Juni gilt Sommerzeit, im Dezember Normalzeit. 12:00 Uhr entspricht deshalb nicht an beiden Tagen dem örtlichen Sonnenhöchststand.
Warum die Ausrichtung allein nicht reicht
Eine nach Süden gerichtete Fassade hat grundsätzlich gute Voraussetzungen für Mittagssonne. Steht davor ein höheres Haus oder ein steiler Hang, können dessen Schatten die Sonne trotzdem abhalten. Besonders im Winter: Die Sonne zieht dann eine tiefere Bahn über den Horizont.
Ein einfaches Rechenbeispiel macht den Unterschied deutlich: Auf ebenem Boden wirft ein 12 Meter hohes Hindernis bei einer Sonnenhöhe von 60,6° ungefähr 6,8 Meter Schatten, bei 19,5° ungefähr 34 Meter. Das ist eine vereinfachte geometrische Rechnung, keine Messung der Gebäude auf den Bildern. Für ein Fenster im Obergeschoss zählen die relative Höhe des Hindernisses, die Richtung zur Sonne und die Form des Gebäudes.
- Ost: günstige Voraussetzung für Morgensonne, wenn der Blick zur aufgehenden Sonne frei ist.
- Süd: häufig Sonne um die Tagesmitte. Im Winter sind freie Sicht nach Süden und die Höhe der Hindernisse besonders wichtig.
- West und Südwest: günstige Voraussetzung für Nachmittags- und Abendsonne. Ein Nachbarhaus oder Bergrücken kann sie früh beenden.
- Nord: im Winter meist wenig direkte Sonne. Im Sommer kann eine freie Nordfassade früh am Morgen oder spät am Abend Sonne erhalten.
Auch das Stockwerk macht einen Unterschied. Ein Hindernis kann das Erdgeschoss beschatten, während die Fenster darüber bereits Sonne bekommen. Balkondecken, Dachüberstände und seitliche Wände können den Lichteinfall zusätzlich begrenzen.
So prüfst du eine Wohnung vor Kauf oder Miete
- Lege fest, wo dir Sonne wichtig ist. Geht es um den Frühstücksplatz, das Wohnzimmer oder den Balkon nach Feierabend? Prüfe diese Stellen getrennt.
- Notiere Ausrichtung und Stockwerk. Eine Kompass-App hilft bei der Orientierung. Prüfe ihre Anzeige bei Bedarf draussen, fern von Metallteilen.
- Schau auf die Hindernisse. Welche Häuser, Bäume, Hänge oder Berge stehen in Richtung der gewünschten Sonne? Beachte auch den Balkon über dir.
- Vergleiche mehrere Termine. Beispielsweise den 21. Juni und 21. Dezember sowie einen Termin im Frühling oder Herbst. Wähle jeweils dieselben für dich relevanten Uhrzeiten.
- Gleiche die Simulation mit der Besichtigung ab. Frage nach der Wintersonne und nach aktuellen Neubauten oder Bauprojekten. Ein Datenmodell kann Veränderungen noch nicht enthalten.
Für Abendsonne findest du weitere Hinweise im Ratgeber Abendsonne auf Balkon und Terrasse. Bei einem Gebäude gegenüber hilft dir der Beitrag Schatten vom Nachbarhaus.
Was dir eine SunPlot-Auswertung zeigt – und wo ihre Grenzen liegen
SunPlot stellt Sonnenstand und Verschattung anhand von Gelände- und Gebäudedaten dar. Je nach geladenen Daten wird auch Vegetation berücksichtigt. Damit kannst du nachvollziehen, wann die Sonne einen gewählten Modellpunkt erreichen kann und welche Hindernisse davorliegen.
Das ganze Jahr auf einen Blick – Kirche Lungern

Berechnete Sonnenstunden sind keine Wetterprognose. Wolken können die tatsächliche Sonnenscheindauer verkürzen. Ebenso sind Sonnenstunden auf Dach- oder Objekthöhe kein Nachweis für direkte Sonne in einer bestimmten Wohnung. In den Vergleichsbildern ist genau diese automatische Dach-/Objekthöhe eingestellt.
Für eine konkrete Wohnung sind die Lage ihrer Fenster und die passende Höhe entscheidend. Kleine Bauteile, aktuelle Bäume oder neue Gebäude sind in den verfügbaren Daten möglicherweise nicht vollständig abgebildet. Wie die Berechnung funktioniert, steht unter Daten und Methode.
Häufige Fragen
Kann eine Südwohnung im Winter im Schatten liegen?
Ja. Die Südausrichtung allein garantiert keine Wintersonne. Gegenüberliegende Gebäude, Bäume oder das Gelände können die tief stehende Sonne verdecken. Entscheidend sind die konkrete Stelle und die Höhe der Fenster.
Kann ich die Wintersonne im Sommer prüfen?
Eine Simulation kann den Sonnenstand und die modellierte Verschattung für einen Wintertag zeigen. Prüfe das gewünschte Datum und die richtige Position beziehungsweise Höhe. Eine Besichtigung und aktuelle Angaben zu Hindernissen ergänzen die Auswertung.
Sind die Sonnenstunden am Gebäude gleich wie in meiner Wohnung?
Nein. Ein Modellpunkt auf dem Dach kann Sonne bekommen, während eine tiefer liegende Wohnung im Schatten ist. Fenster, Raumtiefe und Balkondecken beeinflussen zusätzlich, ob Sonnenstrahlen in den Raum fallen.